“Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und der Zar, Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten“
Marx & Engels
Die Vorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch, hat das Wort “Kommunismus” gebraucht und bezieht dafür Prügel von allen Seiten. Für die SPD ist damit erwiesen, dass die Linke nicht koalitionsfähig ist, aus der CSU hört man gar Stimmen, die nach einem Verbot der Partei verlangen! Das Ziel der anderen Parteien ist offensichtlich: man will die Linke als vermeintlich undemokratische Partei linker Extremisten verunglimpfen. Natürlich ist die Linke weit davon entfernt eine kommunistische Partei zu sein, mindestens so weit wie die CDU von der NPD. Aber das spielt weder für die anderen Parteien noch in den Medien eine Rolle. Politische Debatten mit offenem Meinungsaustausch sind schon lange out, in der Politik scheint es zunehmend darum zu gehen, wer am lautesten brüllt. Das sollte uns allen deutlich vor Augen führen, von welch armseligen Wirtschaftsmarionetten dieses Land mittlerweile regiert wird. Natürlich ist Lötzsch’ Aussage über Wege in den Kommunismus, die man ausprobieren müsse, ein gefundenes Fressen für ihre Gegner. Nicht wenige werden lange genau auf so einen Satz gewartet haben, für die CSU muss es sich wie Weihnachten und Ostern an einem Tag angefühlt haben. Das Kalkül dieser Leute ist klar: wer sich in Deutschland zum Kommunismus bekennt, nein, wer sich nicht klarstens davon distanziert, der kann kein Demokrat sein, will das System stürzen und ist folglich für Demokraten unwählbar. Kommunismus bedeutet Terror und Unterdrückung und steht für Millionen von Toten. Bla bla bla. Wofür steht eigentlich die katholische Kirche, die die Unionsparteien ja sogar im Namen (!) tragen? Wofür steht der Kapitalismus, den sich die FDP wünscht?
Sie stehen beide für die Unterdrückung vieler durch wenige.
Die Kirche erlangt seit jeher Macht durch das Verbreiten von Unwahrheiten. Die Frau entstand aus Adams Rippe. Die Erde ist eine Scheibe. Die Jungfrau kommt zum Kinde. Rothaarige sind Hexen. Schwule sind entartet. Sexualität ist sowieso Teufelswerk. Die Masche der Kirche besteht in der Geißelung ihre frommen Schäfchen. Damals wie heute.
Die freie Marktwirtschaft ist umso hässlicher, je weniger sie durch den Staat reguliert wird. Ihr liegt der Gedanke zugrunde, dass in einer Welt des freien Güter- und Geldverkehrs jeder selbst seines Glückes Schmied ist und wer sich nur genug anstrengt, der wird zu Wohlstand kommen. Nach Meinung konservativer und wirtschaftsliberaler Politiker sind die Armen also selbst dafür verantwortlich, dass sie arm sind. Spätrömische Dekadenz lässt grüßen. Charakteristisch für liberale Marktwirtschaft ist hingegen die Tatsache, dass sich überall der größte Teil des Wohlstandes auf eine winzige Elite konzentriert, während große Teile der Bevölkerung davon ausgeschlossen werden, weil sie wirtschaftlich wertlos sind. Selbst hier in Deutschland mit seinen sozialen Sicherungssystemen lassen sich die Folgen der anhaltenden Ökonomisierung der Gesellschaft angesichts von 7 Millionen Hartz 4-Empfängern und einer wegbrechenden Mittelschicht nicht mehr übersehen. Die meisten Kriege lassen sich auf kapitalistische Gier zurückführen. Welche wirtschaftspolitischen Ansichten mögen wohl mittelalterliche Großgrundbesitzer, Sklavenhändler in den amerikanischen Südstaaten oder europäische Kolonialisten vertreten haben? Eben.
Der Kommunismus hingegen, so wie ihn Marx einst im kommunistischen Manifest niederschrieb, bietet eine andere Sicht der Dinge an. Er wurde in der Frühphase des Kapitalismus formuliert, als die durch die Industrialisierung aufkommende Massenfertigung in Fabriken und Werkhallen dazu führte, dass die Besitzer reich wurden, während das Heer der Arbeiter in der Regel unter krankmachenden, menschenunwürdigen Bedingungen und täglich 10, 12, 14 Stunden und länger für Hungerlöhne arbeiten musste. Diese Umstände wollte Marx ändern. Er spricht von “Mehrwert”, der durch die Leistungen der Arbeiter entstünde, woran diese aber nicht beteiligt würden. Ihnen wurde so wenig wie möglich gezahlt, während der Mehrwert praktisch allein dem Fabrikbesitzer zufiel. Möglich machte das das Überangebot an Arbeitskräften, man stellte diejenigen ein, die für die kleinsten Beträge arbeiteten. (Der Roman “Der Untertan” von Heinrich Mann, der später auch verfilmt wurde, beschreibt den Frühkapitalisten übrigens sehr schön.) Diese Umstände zu ändern in Richtung gleichmäßiger Verteilung des Mehrwerts, das war der nicht unvernünftige Grundgedanke des Kommunismus. Er war also ursprünglich nicht das Unterdrückungsinstrument, als das er von diversen Massenmördern missbraucht wurde, sondern ein Versuch die Industrialisierung und die damit einhergehende Kapitalisierung menschenwürdiger und gerechter zu gestalten.
Mir stellen sich jetzt viele Fragen: Warum hat die Kirche nach wie vor diesen sehr großen Einfluss, obgleich sie im Grunde schon lange durch Wissenschaft, Aufklärung und nicht zuletzt auch durch die Presse als das was sie ist, nämlich ein Verein pädophiler Geisteskranker, demaskiert wurde? Warum stellt außer der Linken niemand das marktwirtschaftliche Wirtschaftssystem in Frage? Warum wird auf die einzigen, die es in Frage stellen, von der gesamten Politik und den Medien mit dem Finger gezeigt?
Die Antworten sind natürlich einfach und nahe liegend: Die Herrschenden wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Der Mensch dient der Wirtschaft, umso mehr, je schwarz-gelber die Regierung ist. Der Mensch ist denkfaul und in Deutschland dazu natürlich besonders obrigkeitshörig. Die Verflechtung von Politik, Medien und Wirtschaft ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass Meinungspluralismus in der Öffentlichkeit gar nicht mehr vorkommt. Eine Hand wäscht die andere und alle stecken unter einer Decke. Das ist keine Verschwörungstheorie, so simpel ist die Wirklichkeit. Man sollte dankbar sein, dass es mit der Linken wenigstens eine Partei gibt, die noch andere Standpunkte vertritt als der Mainstream.
Es ist auch gut, dass mal wieder jemand das böse K-Wort in den Mund nahm. Die hysterischen Reaktionäre, die jetzt die große Keule schwingen, entlarven sich als dumpfe, populistische Idioten. Das Traurige ist, dass es kaum noch jemand bemerkt.
Hier ist eine Radiosendung von WDR 5, in der sich ein Ökonomieprofessor zum aktuellen Geseier rund um Lötzsch’ Kommunismus-Artikel äußert. Im Gegensatz zu Politik und Massenmedien sieht er es so, wie es ist:
Und hier ein Artikel aus der jungen welt, jener Zeitung, aus der das Zitat stammt:
http://www.jungewelt.de/2011/01-15/035.php
Der Freitag zur Sendung:
http://www.freitag.de/community/blogs/katharina-schmitz/der-kommunismus-bei-anne-will-eine-farce




Was ist gerecht?
Der kleine Ernie feiert seinen achten Geburtstag. Alle sind sie gekommen. Kalle, Hannes, Moni, Bruno, Mandy und Olaf. Die Feier findet im Keller statt. Ernies Mutter hat einige Spiele vorbereitet. Sie spielen Kniffel, Topfschlagen, Mau Mau. Abends wollen sie noch Singstar auf der Play Station spielen. Dabei kommt es zum Streit. Ernie, Kalle, Hannes, Bruno und Olaf wollen das neue Singstar Schlager spielen. Die Mädchen Mandy und Moni mögen lieber die Musical-Version. Der schlaue Ernie schlägt vor darüber abzustimmen, welches Spiel gespielt wird. Er weiß, wer diese Abstimmung gewinnen würde. Die Mädels sind aber auch nicht auf den Kopf gefallen und lehnen ab. Ernies Mutter schlägt vor erst fünf Runden Schlager zu spielen und dann zwei Runden Musical. Sie erklärt den Mädchen, dass das die fairste Lösung sei, schließlich hätten die beiden fünf Jungs gegen sich, also werde fünf mal das eine und zwei mal das andere gespielt. Moni und Mandy akzeptieren die Argumentation der Mutter und geben nach. Die Kinder spielen jeweils zwei Durchgänge, danach ist die Party zu ende, morgen geht’s wieder in die Schule.
Am nächsten Tag am Frühstückstisch erzählt Mutter Ernie ihrem Gatten von dem Streit und ihrer erfolgreichen und gerechten Schlichtung. Der jedoch ist damit nicht einverstanden und merkt an: “Das ist nicht gerecht, Schatz.”
Sie: “Warum? Fünf Jungs wollten das eine Spiel spielen und zwei Mädchen das andere. Also haben wir zehn mal Schlager und vier mal Musical gespielt. Was soll daran bitte unfair sein? Hätte ich sie abstimmen lassen, wären die Mädchen gar nicht zu ihrem Spaß gekommen!”
Darauf er: “Du hättest sie auch beide Spiele gleich oft spielen lassen können.”
“Aber das wäre unfair den Jungs gegenüber, bei fünf zu zwei Stimmen!”
“Dann hätten aber alle gleich viel Spaß gehabt. Wäre das nicht die viel gerechtere Lösung gewesen?”